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Sieger

Aeternitas-Interview mit den Siegern des Grabmal-Ted 2014 am 12.09.2014, Christian Deller (Eitorf) und Thomas Lang (Bonn) auf der Grabmal-Ausstellung der Landesgartenschau in Zülpich.

1.) Wie sind Sie zum Steinmetzberuf gekommen, seit wann in diesem Bereich tätig?
Lang: "Seit 1999. Ich habe 1998 ein Praktikum gemacht und der Steinmetzbetrieb hat mich gefragt, ob ich nicht eine Ausbildung machen wollte. So bin ich dazu gekommen."
Deller: "Ich habe 2007 die Lehre angefangen, 2010 den Bundessieger gemacht beim Gestaltungswettbewerb ‚Die gute Form‘, anschließend die Meisterschule absolviert und bin dann in den väterlichen Betrieb eingestiegen."

2.) Sie, Herr Deller, arbeiten eng mit Ihrem Vater (Betrieb in Sankt Augustin) zusammen, in zwei Betriebsstätten, die Sie gemeinsam betreuen? Sie Herr Lang, führen einen eigenen Betrieb?
Deller: "Genau, so läuft es derzeit noch. In den nächsten Jahren wird dann die Übergabe stattfinden."
Lang: "Bei mir ist das alles noch sehr klein. Ich habe zwar meine eigenen Aufträge, arbeite aber auch für Kollegen, wie heute Morgen zum Beispiel, da habe ich noch eine Beischrift in Köln auf Melaten gehauen."

3.) Sind Grabmale denn der Kernbereich Ihrer Tätigkeit, was man vermuten könnte angesichts der Webseite Grabmale Deller? Wie sieht das bei Ihnen aus, Herr Lang?
Deller: "Ja, ganz klar."
Lang: "Ja, bei mir auch."

4.) Spielt das Marketing über das Internet eine immer größere Rolle? Bahnen sich zunehmend auch Geschäfte über das Internet an?
Deller: "In letzter Zeit häufiger bei uns. Wir haben die Webseite noch nicht allzu lang, jetzt das zweite Jahr, und die Anfragen häufen sich."
Lang: "Anfragen über die Webseite sind bei mir eher seltener, aber die Kommunikation über das Internet nimmt immer mehr zu, auch weil die Angehörigen verstreuter wohnen. Zum Beispiel habe ich jetzt einen Auftrag, bei dem einer der Auftraggeber in Hamburg wohnt. Die Abwicklung dauert zwar insgesamt länger, wäre aber ohne Internet kaum möglich."

5.) Wie sind Sie auf den TED gekommen? Wann und warum haben Sie beschlossen, daran teilzunehmen?
Deller: "Ich habe davon in der [Fachzeitschrift] Naturstein gelesen und meinem Kollegen das gezeigt, Und da wir ohnehin schon auf die verrückte Idee gekommen waren, mit einem Grabmal bei der Landesgartenschau teilzunehmen, und unser Stück den Kriterien entsprechend nur aus deutschen Materialien besteht, haben wir uns kurzfristig für eine Teilnahme am Grabmal-TED entschieden. Das war dann auf den letzten Drücker, am letzten Tag der Anmeldefrist."

6.) Wie kam es dazu, dass sie gemeinsam ein Grabmal gestaltet haben? Arbeiten Sie auch sonst gemeinsam?
Lang: "Unsere erste, zufällige Gemeinsamkeit war, dass wir beide in Düsseldorf den Meister gemacht haben. Die Meisterschule dort legt viel Wert auf Gestaltung. Später hatten wir dann auch häufiger beruflich miteinander zu tun und fragten uns in der ruhigeren Winterzeit, warum wir nicht mal an der Landesgartenschau teilnehmen sollten. Das ist für beide eine schöne Sache: einmal wegen der Bezahlbarkeit, aber auch von der Arbeitszeit her, die wir uns wirklich geteilt haben."
Deller: "Und letztlich war es auch einfach schön, gemeinsam zu arbeiten."

7.) Wie muss man sich dann eine solche Arbeitsteilung dann in der Praxis vorstellen?
Lang: "Zum Beispiel hat er [Christian Deller] die hintere Oberflächenbearbeitung gemacht, ich innen einen Teil der Oberflächenbearbeitung, er hat dann das Mittel-Ornament eingesetzt und ich die Schrift gemacht. Man kann das schon aufteilen, sollte nur darauf achten, dass jeder Arbeitsschritt auch fertig ausgeführt ist, wegen der Gleichmäßigkeit."
Deller: "Das Stück ist groß genug, da können auch zwei dran arbeiten."
Lang: "Er [Christian Deller] hat dann auch schon das vordere Stück bearbeitet, während ich dann das kleine Ornament noch eingesetzt habe."
Deller: "Noch etwas zum Hintergrund: Es war ja eine Zusammenarbeit mit den Friedhofsgärtnern. Die wollten noch eine Art Flammschale integrieren, weshalb wir überhaupt das kleine vordere Element angefertigt haben. Darin kann zum Beispiel ein Brief verbrannt oder eine Kerze angezündet werden."
Lang: "Wir versuchen schon, im Vorfeld mit den Gärtnern zu sprechen und auf deren Wünsche einzugehen. Dies ist auch der Grund, warum der Stein auf einem Fundament etwas höher gesetzt wurde. Es handelt sich nämlich um eine Hügelbepflanzung."
Deller: "Der Stein ist 20 Zentimeter höher gesetzt worden als eigentlich das Bodenniveau ist."
Lang: "Das ist auch grundsätzlich wichtig, denn es kommt darauf an, was später auf dem Friedhof zu sehen ist. Ich habe schon Steine gesehen, die soffen geradezu ab inmitten einer aufgelockerten Hügelbepflanzung, wie sie jetzt modern ist."
Deller: "Die Kommunikation miteinander [mit den Friedhofsgärtnern] war hier besonders wichtig."

8.) Gab es eine Arbeitsteilung – einer entwirft, einer gestaltet?
Deller: "Eigentlich haben wir alles gemeinsam gemacht. Es war interessant, wie sich unsere verschiedenen Ideen, die wir hatten, zu einer vermischt haben."
Lang: "Das spiegelt auch das Stück wieder. Wir haben hier Rheinland mit Bayern gepaart, auch von den Materialien her."

9.) Warum haben Sie gerade diese Materialien gewählt?
Deller: "Da ich die Lehre in Bayern gemacht habe, hatte ich viel mit den Materialien dort zu tun.
Lang: "Und er [Christian Deller] kommt aus Bonn, das Siebengebirge liegt da um die Ecke. Und ich mag diese Basaltsäulen."
Deller: "Da wir noch Materialien bei uns liegen hatten und einfach mal ein bisschen damit spielen und sehen konnten, ob es passt, hat sich das schnell ergeben."

10.) In welcher Werkstatt wurde das Grabmal dann tatsächlich hergestellt?
Deller: "In der Werkstatt meines Vaters in Sankt Augustin. Er hat uns den Platz und das Werkzeug zur Verfügung gestellt."

11.) Verwenden Sie auch sonst bevorzugt einheimische Steinsorten?
Deller: "Wir würden es gerne machen. Das Problem ist aber der Kunde, der lieber die 08/15-Lösungen wünscht, die er vom Friedhof schon kennt."
Lang: "Der Friedhof beeinflusst sehr. Was ich auf dem Nachbargrab vorfinde, möchte ich auch haben. Auch deshalb sind ja dieses Landesgartenschauen so interessant. Was hier gezeigt wird, kann ein Trend sein – man muss halt anfangen! Andererseits muss es natürlich dem Kunden gefallen. Wobei ich jetzt Kunden habe, die nichts aus Indien bzw. dem Ausland haben möchten, sondern heimische Materialien. Das ist dann für mich auch eine schöne Sache. Ich mache das immer vom Kunden abhängig."

12.) Sind die Kunden beim Thema ausländische Steine sensibler geworden?
Deller: "Die Kunden sind sensibler und teilweise auch aufgeklärter."
Lang: "Was auch gar nicht schlimm ist. Nur die Berichterstattung finde ich stellenweise nicht richtig, weil das Thema nicht richtig dargestellt wird. Das ist jetzt zum Politikum geworden, der Landtag hat ja auch über das Thema abgestimmt. Wir arbeiten damit und unsere Arbeit wird das nicht verändern. Ich sehe da kein Problem bei uns."

13.) Es wird die Frage sein, ob sich wirklich ein zuverlässiges Zertifikat finden wird.
Deller: "Diese Frage stellt sich vor allem dann, wenn man wirklich mit Importware arbeitet. Bei Steinen aus Indien, die in Deutschland verarbeitet werden, stellt sich das Problem nicht ganz so. Wir zum Beispiel beziehen unsere Steine von Lieferanten aus Bayern oder der Nähe von Köln zum Beispiel, damit die Lieferfristen nicht so lang sind."
Lang: "Ich glaube, der Großhandel mit Naturstein ist auch schwer zurückzuverfolgen. Die Materialien werden ja auf der ganzen Welt gebrochen. Zum Beispiel ein SSY aus Schweden/Skandinavien, der wird nach Indien verschifft, zwischenbearbeitet – oder nach China, die kaufen mittlerweile auch viel auf – der Stein kommt dann wieder auf den deutschen Markt: Da können wir als Innung oder als kleine Steinmetze gar nichts dran ändern. Das sind schon irrsinnige Wege. Deshalb kann man den Leuten auch gut erklären, dass man mit einem einheimischen Stein aus der eigenen Gegend weniger Transportwege hat. Man bedenke dabei nur, wie viel Diesel so ein Schiff verpulvert."

14.) Sie haben bei Ihrem Siegergrabmal auch Metall verwendet. Ist das allgemein ein Trend bei Ihnen, dass Sie außer Stein andere Materialien wie Metall, vielleicht auch Glas oder Holz nutzen?
Deller: "Ja, das ist schon spürbar, dass viele mittlerweile gestalterisch etwas offener sind und nicht nur das Traditionelle nehmen."
Lang: "Gerade auch Edelstahl. Bronze, das weiß man, wird auch viel geklaut. Ich finde es auch schön als Verbindung, dass man nicht nur in Stein arbeitet."
Deller: "Und mit ein bisschen Geschick kann man es auch selbst verarbeiten. Vielleicht sieht man es ja ein bisschen: Die Ringe haben wir selbst gefertigt. Das ist etwas anderes, als bei der Bronzegießerei oder ähnlichem zu bestellen. Dem wollten wir ein bisschen aus dem Weg gehen. Solche Sachen werden natürlich angeboten und diese wären sicherlich auch günstiger gewesen. Nur wir hatten Zeit und haben Wert darauf gelegt, dass wir alles an dem Stück selbst machen."

15.) Wie sehen Sie die derzeitige Situation der Grabmalbranche im Schatten der Veränderungen auf den Friedhöfen? Was erwarten Sie von der Zukunft? Wie ist Ihre eigene Situation einzuschätzen? Stirbt – überspitzt formuliert – das Steinmetzwesen auf dem Friedhof aus?
Deller: "Nein, keineswegs."
Lang: "Aussterben wird es nicht, es wird nur schwerer werden. Es ist ja grundsätzlich die Frage, was die Menschen an Geld noch übrig haben. In Bonn zum Beispiel ist es ganz extrem mit den hohen Bestattungskosten aufgrund der Friedhofsgebühren, da bleibt für ein Grabmal weniger übrig. Und dann natürlich die Alternativangebote, die aber nicht unbedingt besser sind. Beispiel Friedwald: Die Menschen lesen davon, alles wirkt wunderschön, keiner muss sich kümmern, aber wie komme ich dahin, wenn ich nicht mehr so gut zu Fuß bin? Da ist der Friedhof immer noch der beste Ort – und ich glaube, das wird auch bleiben. Aber man merkt schon die Einschnitte und die Steinmetze werden vielleicht enger zusammenrücken müssen."
Deller: "Es wird ausselektiert, besonders die, die nicht mitmachen."

16.) Mit interessanten Entwürfen wie dem von Ihnen hat man wahrscheinlich mehr Chancen als mit dem altbekannten, durchschnittlichen Standard?
Deller: "Richtig, das haben wir auch schon oft gemerkt, dass die Leute zwar bereit sind, Geld auszugeben, aber einfach nicht den richtigen Steinmetz finden, der sie beraten und ihre Wünsche umsetzen kann. Nicht jeder Kunde hat einen konkreten Wunsch bzw. kommt mit einem konkreten Modell an. Man muss eben auch mal nachhorchen: In welche Richtung will er? Was kann man machen? Es wird zeitaufwendiger. Der Kundenkontakt hat sich nicht nur verdoppelt, sondern verdreifacht, im Vergleich zu dem, was mein Vater früher gemacht hat."
Lang: "Man will etwas besonderes haben – und dann gibt man auch Geld dafür aus. Und darüber hinaus: Mit einem Stein, den alle Steinmetze haben, bin ich natürlich auch vergleichbar. Wenn ich jetzt einen Stein führe, den ich beim Großhändler gekauft habe und den alle anderen Steinmetze auch da stehen haben, dann habe ich natürlich auch Kunden, die dann rumgehen und die verschiedenen Steinmetze fragen."
Deller: "Das gilt für die Industrieware."
Lang: "Das ist dann auch der Grund, warum wir hier teilgenommen haben, dass wir zeigen: Es geht auch anders. Es ist zwar schwieriger, aber man sollte daran festhalten."

17.) Da spiegelt sich ein Trend wieder, der das ganze Bestattungswesen betrifft: Das Durchschnittliche verliert an Beliebtheit, das Einfache und das Besondere sind auf dem Vormarsch?
Lang: "Ja."
Deller: "Ja, da geht so ein bisschen die Schere auseinander."

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