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Julia Lambertz, Holzbildhauerin

Aeternitas besuchte die Zweitplatzierte im Grabmal-Ted, die Holzbildhauerin Julia Lambertz in ihrem schönen Atelier in Burghaun. Wir unterhielten uns in angenehmer Atmosphäre über ihre künstlerische Arbeitsweise, ihre Gestaltungsgrundlagen und die Liebe zum Material Holz. Heraus kamen vielerlei interessante Aspekte und Ansichten der Künstlerin - u. a. auch zum eigenen Bestattungswunsch. Lesen Sie hier das Interview.

1. Wie sind Sie zum Beruf der Holzbildhauerin gekommen und seit wann sind Sie in diesem Bereich tätig?
Lambertz: Als Kind wollte ich gerne Archäologin werden, und als Jugendliche wusste ich schon früh, dass ich einen kreativen, handwerklichen Beruf erlernen würde. Nachdem ich mit 16 keine Lehrstelle zur Steinmetzin bekam, machte ich erst mal mein Abitur, um im Anschluss Kunstgeschichte und Soziologie zu studieren. Nebenbei besuchte ich eine Freie Kunstakademie, um Malerei und Grafik zu erlernen. Die Theorie erfüllte mich nicht, aber die Faszination für die mittelalterliche Kunst ließ mich nicht los. Ich bewarb mich an verschiedenen Berufsfachschulen und hatte die Wahl zwischen der Ausbildung zur Keramikerin, Glas- und Porzellanmalerin oder Holzbildhauerin. Als ich zum ersten Mal die Berufsfachschule für Holzbildhauerei in Bischofsheim in der bayerischen Rhön betrat, überkam mich das Gefühl von „Angekommen-Sein“, und ich blieb drei Jahre um Holzbildhauerin zu werden. Mit einem Stipendium der Stiftung Begabtenförderung konnte ich ein Studium zur Gestalterin im Handwerk in Kassel absolvieren und entschied mich im Jahr 2005 für die hauptberufliche Selbstständigkeit als freischaffende Künstlerin.

2. Gehören Grabmale zum Kernbereich Ihrer Tätigkeit?
Lambertz: Nein, die moderne und klassische Holzbildhauerei bildet zur Zeit den größeren Teil meiner Tätigkeit. Hier führe ich freie Arbeiten und Auftragsarbeiten für öffentliche und private Auftraggeber aus, und auch für Kirchengemeinden gestalte ich Kunstwerke. Die funktionale Holz- und Grabmalgestaltung ist ein zweiter Bereich meiner Tätigkeit, der sich gut entwickelt und überwiegend private Auftraggeber anspricht. Außerdem leite ich Workshops, in denen ich Holzbildhauerei und Gestaltung unterrichte.

3. Spielt das Marketing über das Internet auch für Sie eine immer größere Rolle? Bahnen sich also zunehmend auch Geschäfte über das Internet an?
Lambertz: Bisher habe ich den Großteil meiner Aufträge über den direkten Kundenkontakt, zum Beispiel bei Ausstellungen oder Messen, und über Empfehlungen bekommen. Das Online-Marketing spielt aber eine immer größere Rolle. Über die Medien im Internet und meine eigene Homepage, aber auch über soziale Netzwerke erreiche ich deutlich mehr Aufmerksamkeit und potentielle Kunden.

4. Wie sind Sie auf den Grabmal-TED gekommen? Warum haben Sie beschlossen, daran teilzunehmen?
Lambertz: Über die lokale Presse habe ich im letzten Jahr zum ersten Mal vom Online-TED erfahren, weil ein Grabmalschaffender aus der Region Preisträger wurde und die Zeitung darüber berichtete. Die Aufforderung zur Bewerbung zum diesjährigen TED flatterte ebenfalls in Form eines Zeitungsberichtes ins Haus. Meine Mutter hatte den Artikel ausgeschnitten und angeregt, mich mit dem „Engel“- Grabmal zu bewerben, für das ich so viel positives Feedback bekommen hatte. Nach einem Gespräch mit meiner Kundin, die einer Bewerbung sofort zustimmte und mich bei diesem Vorhaben sehr unterstütze, reichte ich die Unterlagen ein.

5. Was bedeutet das Material "Holz" für die Grabmalherstellung?
Lambertz: Zum Einen ist die Auswahl an geeigneten Hölzern stark beschränkt, zumindest wenn man ausschließlich heimische Hölzer verwenden möchte. Zum Anderen ist man bei der Gestaltung und Herstellung an die natürlichen Eigenschaften des Holzes gebunden. Aufgrund der hygroskopischen Eigenschaften (Wasseraufnahme und -abgabe) des Holzes zum Beispiel muss man sich mit konstruktivem Holzschutz und Oberflächengestaltung auseinandersetzen. Auch die Wuchsrichtung des Holzes beeinflusst die Formgebung. Das Holz gibt also sozusagen einen gewissen Rahmen vor, in dem man sich dann als Bildhauerin und Gestalterin frei bewegen kann. Das gilt aber für jedes Kunstwerk aus Holz, nicht nur für Holzgrabmale. Die Herausforderung besteht darin, sich auf das Material einzulassen und die eigenen Ideen mit ihm in Einklang zu bringen. Bei der Grabmalgestaltung heißt das konkret, die Vorstellungen, Wünsche und Ideen des Kunden mit der eigenen Kreativität und Formensprache so umzusetzen, dass ein material- und gebrauchsgerechtes Kunstwerk entsteht.

6. Welche Holzarten eignen sich besonders?
Lambertz: Für Holzgrabmale eignen sich besonders Eiche, Lärche und Douglasie. Auch einige Tropenhölzer wären geeignet, aber ich verwende ausschließlich europäische Holzarten aus Deutschland und am Liebsten regionale Hölzer. Etwas ganz Besonderes ist es, wenn der Kunde das Holz aus dem eigenen Garten oder Wald zur Verfügung stellen kann.

7. Bei Grabsteinen haben wir derzeit eine intensive Diskussion um sozialverantwortliche und umweltorientierte Materialbeschaffung. Wird das Thema in der Holzbranche genau so heiß diskutiert? Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Lambertz: Auch in der Holzbranche werden diese Diskussionen geführt, beginnend in den 80er Jahren, als die Abholzung der Tropenwälder solche Ausmaße annahm, dass eine globale Gefährdung der Erde befürchtet wurde.
Über Zertifizierung in der Holz- und Forstwirtschaft findet man einiges im Internet [Anm. der Red. - z.B. bei Wikipedia: „Die Zertifizierung in der Forstwirtschaft ist ein weltweiter Prozess zur Kennzeichnung wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig erzeugter Produkte des Waldes durch ein Gütesiegel. Das Zertifizierungssystem erfasst auch den Transport- und Bearbeitungsweg dieser Produkte vom Forstbetrieb über alle Verarbeitungsstufen bis zum Endverbraucher (Produktkettenzertifizierung)“]
Bekannte Gütesiegel sind Forest Stewardship Council [FSC] und PEFC in Deutschland. Außerdem gibt es noch andere nationale und regionale Gütezeichen.

8. Verwenden Sie außer Holz auch andere Materialien?
Lambertz: Die Ausführung meiner Grabmale erfolgt überwiegend in Holz. Metall und andere Materialien werden hier meistens als konstruktive Elemente verwendet. In meiner freien Kunst und Gestaltung verwende ich auch andere Materialien, wie zum Beispiel Metall, Keramik, Kunststoff, Beton, Glas, Papier etc.

9. Holzgrabmale sind auf unseren Friedhöfen noch nicht in großer Zahl vertreten. Woran mag das Ihrer Meinung nach liegen?
Lambertz: Die regionalen Unterschiede sind dabei ja teilweise sehr groß: in Süddeutschland und der Alpenregion waren und sind Holzgrabmale weiter verbreitet als in den nördlicheren Gegenden. Das ist zum einen sicher mit allgemeinen kultur- und kunsthistorischen Entwicklungen verknüpft. Die Industrialisierung hat die Entwicklung zum Steingrabmal sicher auch stark geprägt - siehe maschinelle Fertigung, Serienproduktion, Transport etc.
Vielleicht spielt aber auch die damit verbundene Entfremdung des Menschen von der Natur eine Rolle: alles muss pflegeleicht, steril und haltbar sein, es muss funktional und praktisch sein und am besten auch noch ewig halten. Stein bietet da für die meisten Menschen anscheinend noch die bessere Lösung als Holz.

10. Können Sie uns etwas über Ihre Vorgehensweise bei der Grabmalgestaltung verraten?
Lambertz: Meine Grabmale sind Einzelanfertigungen auf Kundenwunsch. Ich lege großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit meinen Kunden, und es gibt während des Gestaltungs- und Herstellungsprozesses immer wieder Gespräche und Treffen vor Ort und in meinem Atelier.
Dabei werden inhaltliche und formale Punkte besprochen, aber natürlich auch persönliche und manchmal sehr emotionale Themen. Die Trauernden nehmen so aktiv am Gestaltungsprozesses teil, der dann manchmal auch als ein Stück Trauerarbeit erfahren wird.

11. Wie sehen Sie die zukünftige Situation für Grabmalschaffende angesichts der wachsenden Konkurrenz für Friedhöfe, beispielsweise von Friedwald und Ruheforst und der Zunahme von Grabarten, die ohne Grabmal auskommen?
Lambertz: Diese Situation sehe ich als Kunstschaffende, die unter anderem auch Grabmale herstellt, sicher anders als Grabmalschaffende, die täglich Grabmale produzieren. Dem Wandel der Zeit kann man sich nicht entziehen. Natürlich kann es sein, dass es für klassische Grabmalbetriebe schwieriger wird, weil die Nachfrage für Grabmale sinkt. Dies geschieht aber nicht von Jetzt auf Gleich, und auch diesen Wandel kann man als Gestaltungsprozess betrachten, der sicher auch viele Chancen für Neues und kreative Schaffensansätze bietet.

12. Haben Sie sich denn schon Gedanken um die eigene Bestattung gemacht?
Mein Leben war immer geprägt von einem starken Bezug zur Natur. Als Holzbildhauerin könnte ich mir daher sehr gut eine Baumbestattung in einem Bestattungswald vorstellen. Unter einer tollen Eiche oder einem Ahorn. Hier wird der Zyklus von Leben und Sterben im Jahreswechsel deutlich sichtbar - eine gute Vorstellung.

Kontakt:
Julia Lambertz
Atelier
Ringstraße 12a
36151 Burghaun
Telefon: 0176/21654794
Internet: www.julialambertz.de

Fotos aus dem Atelier



  



  

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